Rezensionen
Mit „Toxisch – Mein. Für immer.“ legt Jes Schön einen Roman vor, der schmerzt, wütend macht und zutiefst berührt. Es ist kein Buch, das man „einfach so“ liest – es ist eines, das man aushalten muss. Und genau darin liegt seine Kraft. Schon das erste Kapitel entfaltet eine emotionale Wucht, die kaum Raum zum Atmen lässt. Als Leser sind wir dazu verdammt, die Füße stillzuhalten: Wir können nicht eingreifen, egal welcher Brutalität die Protagonistin ausgesetzt ist. Hier wird nichts beschönigt, keine Szene mit Samthandschuhen angefasst. Die Geschichte von Emelie, gefangen in einer Ehe voller psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt, trifft…
Mit diesem Roman gelingt dem Autor Wolfram Benisch ein bemerkenswerter Spagat zwischen historischer Tiefe und temporeicher Gegenwart. Fiktion, die Schatten des Zweiten Weltkriegs, mythische Anspielungen der Artefakte und ein moderner Thriller-Impuls verschmelzen zu einer Geschichte, die mich von Beginn an in ihren Bann gezogen und gehalten hat. Im Zentrum steht Benski, eine Figur, die nicht als Einzelgänger, sondern als Teil eines starken Gefüges erscheint. Kameradschaft, Zusammenhalt, Freundschaft und Liebe tragen die Handlung ebenso wie Kenntnisse, Intelligenz und die Fähigkeit, einander zu ergänzen – genau daraus gewinnt der Roman seine besondere Spannung, Stärke und Glaubwürdigkeit. Besonders reizvoll ist der Umgang mit…
Mit „Macht & Ohnmacht, dem dritten Band der „Schuldigen“-Reihe von Ava J. Thompson, wird die Geschichte der Duarte-Familie nicht nur fortgesetzt, sondern sie trifft mich emotional mitten ins Herz – intensiver, schmerzlicher als je zuvor. Der nächtliche Angriff auf Duarte Island erschüttert mich tief: Emilio Duarte, das unerschütterliche Oberhaupt, wird hingerichtet, vierzehn Soldaten getötet. Die Insel liegt „saubergeräumt“ da – und doch bleibt nur die erdrückende Leere, die mich als Leserin lange nicht loslässt. Der Titel berührt mich zutiefst, denn er spiegelt genau das wider, was ich fühle. Matteo, der gebrochene Erbe, sinkt unter der Nachricht vom Tod seines Vaters…
Narben erinnern mich an das Erlebte, aber sie definieren nicht meine Zukunft - Dorothea Hesse-Swikle
Mit diesem Buch legt die Autorin einen Text vor, der sich bewusst klassischen Autobiografie-Erwartungen entzieht. Statt chronologischer Ordnung entsteht ein eindringlicher Mit diesem Buch legt die Autorin einen Text vor, der sich bewusst klassischen Autobiografie-Erwartungen entzieht. Statt chronologischer Ordnung entsteht ein eindringlicher Erfahrungsbericht, der zwischen Zeugnis, Anklage und Selbstvergewisserung wechselt– und dadurch eine eigene, schwer einzuordnende literarische Form gewinnt. Im Kern steht die Erzählerin im Konflikt mit Institutionen: Behörden, Gerichten, medizinisches System. Prägend ist ihr Gefühl, vom Recht nicht erfasst worden zu sein – nicht nur durch Urteile, sondern als tiefes Missverhältnis zwischen formaler Prüfung und existenzieller Erfahrung. Die Langzeitfolgen…
Mit HeringsHypnose habe ich einen Küstenkrimi gelesen, der mich von der ersten Seite an mit seiner skurrilen Mischung aus Humor, Spannung und leichter Absurdität gepackt hat. Heringsdorf wird hier nicht einfach nur als idyllische Ostseekulisse gezeigt, sondern als Bühne für einen Fall, in dem Wellness, Wahn und Wahrheit auf höchst vergnügliche Weise aufeinandertreffen. Besonders gefallen hat mir der originelle Einstieg in die Geschichte. Schon früh wird klar, dass dieser Roman sich nicht mit gewohnten Krimipfaden begnügt, sondern mit einer ordentlichen Portion Ironie und Fantasie arbeitet. Der Hypnose-Guru Dr. Magnus Bernstein, der tote Teilnehmer und das merkwürdige Hering-Ritual sorgen für ein…
„Schönheit, Schnee und Limoncello“ ist ein atmosphärisch dichter Gardasee-Krimi, der mit starkem Lokalkolorit und einer vielschichtigen Figurenwelt überzeugt, dessen sehr komplex konstruiertes Geflecht aus Handlungssträngen jedoch gelegentlich zulasten der Übersicht geht. Viola Eigenbrodt beginnt mit einem scheinbar „kleinen“ Fall: Ein toter Terrier wird im Hafen von Riva del Garda gefunden, beschwert und ins Wasser geworfen – eine grausame Tat, die rasch deutlich macht, dass hier mehr im Spiel ist als bloße Tierquälerei. Von diesem Schockmoment aus breitet sich ein Netz aus Bedrohungen, Erpressung und alten Schuldgeschichten rund um die wohlhabende Familie Carbone und ihr Limoncello-Imperium aus, in dem auch ein…
Mit Gleissturz legt Dietmar Cuntz einen Justizthriller vor, der gleichrangig an der Auflösung eines Falls und an den Rissen interessiert ist, die ein Fehlurteil im Leben eines Menschen hinterlässt. Im Zentrum steht Erol Klein: Nach zwei Jahren Haft freigesprochen, juristisch rehabilitiert – und doch gesellschaftlich gezeichnet. Der Roman folgt diesem Nachhall der vermeintlichen Wahrheit mit einer Ernsthaftigkeit, die weit über das Genre hinausweist. Was bleibt, wenn die Akte geschlossen ist, das Misstrauen jedoch fortlebt? Dabei entfaltet sich die Handlung nicht nur als Kriminalfall, sondern als Studie über Schuldzuschreibung, Stigmatisierung und die fragile Mechanik öffentlicher Wahrnehmung. Die Ermittlungen der Kommissare Bintje…