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Rezensionen

Mit HeringsHypnose habe ich einen Küstenkrimi gelesen, der mich von der ersten Seite an mit seiner skurrilen Mischung aus Humor, Spannung und leichter Absurdität gepackt hat. Heringsdorf wird hier nicht einfach nur als idyllische Ostseekulisse gezeigt, sondern als Bühne für einen Fall, in dem Wellness, Wahn und Wahrheit auf höchst vergnügliche Weise aufeinandertreffen. Besonders gefallen hat mir der originelle Einstieg in die Geschichte. Schon früh wird klar, dass dieser Roman sich nicht mit gewohnten Krimipfaden begnügt, sondern mit einer ordentlichen Portion Ironie und Fantasie arbeitet. Der Hypnose-Guru Dr. Magnus Bernstein, der tote Teilnehmer und das merkwürdige Hering-Ritual sorgen für ein…
„Schönheit, Schnee und Limoncello“ ist ein atmosphärisch dichter Gardasee-Krimi, der mit starkem Lokalkolorit und einer vielschichtigen Figurenwelt überzeugt, dessen sehr komplex konstruiertes Geflecht aus Handlungssträngen jedoch gelegentlich zulasten der Übersicht geht. ​Viola Eigenbrodt beginnt mit einem scheinbar „kleinen“ Fall: Ein toter Terrier wird im Hafen von Riva del Garda gefunden, beschwert und ins Wasser geworfen – eine grausame Tat, die rasch deutlich macht, dass hier mehr im Spiel ist als bloße Tierquälerei. Von diesem Schockmoment aus breitet sich ein Netz aus Bedrohungen, Erpressung und alten Schuldgeschichten rund um die wohlhabende Familie Carbone und ihr Limoncello-Imperium aus, in dem auch ein…
Mit Gleissturz legt Dietmar Cuntz einen Justizthriller vor, der gleichrangig an der Auflösung eines Falls und an den Rissen interessiert ist, die ein Fehlurteil im Leben eines Menschen hinterlässt. Im Zentrum steht Erol Klein: Nach zwei Jahren Haft freigesprochen, juristisch rehabilitiert – und doch gesellschaftlich gezeichnet. Der Roman folgt diesem Nachhall der vermeintlichen Wahrheit mit einer Ernsthaftigkeit, die weit über das Genre hinausweist. Was bleibt, wenn die Akte geschlossen ist, das Misstrauen jedoch fortlebt? Dabei entfaltet sich die Handlung nicht nur als Kriminalfall, sondern als Studie über Schuldzuschreibung, Stigmatisierung und die fragile Mechanik öffentlicher Wahrnehmung. Die Ermittlungen der Kommissare Bintje…
„Echorockband oder das ganz große Geld“ ist ein ungewöhnlich aktueller Krimi über Love-Scamming, der Liebesgeschichte, Vereinsleben und organisierte Kriminalität zu einem spannend erzählten „Scammerkrimi“ verwebt. Im Zentrum stehen der Gitarrist Miguel, für den die Echorockband und der Musikverein „Goldene Note“ Lebensinhalt sind, und Olga, eine IT-Fachfrau und Geflüchtete aus Tadschikistan, die sich hinter der glamourösen Identität „Alice“ verbirgt. Während Miguel vor allem für Musik und Vereinskasse brennt, kämpft Olga mit traumatischer Fluchterfahrung, der Sorge um ihre Familie und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. ​Der Roman zeigt, wie professionelle Scammer systematisch emotionale Schwachstellen ausnutzen: Olgas Sehnsucht nach ihrer Familie, ihre Hilfsbereitschaft und…
Mit „Todestiefe“ legt Bernadette Calonego den inzwischen siebten Fall für Calista Gates vor, die mittlerweile als Staff Sergeant eine neue Taskforce der RCMP leitet. Schon der Einstieg hat mich überzeugt: Mehrere Menschen stürzen an Neufundlands Küsten von den Klippen, offiziell ist von Selbstmorden die Rede, doch schnell zeigen sich Ungereimtheiten und verdächtige Zufälle. Die Autorin verknüpft den aktuellen Fall um eine junge Mutter, deren Leiche nie gefunden wurde, mit früheren ungeklärten Stürzen und öffnet damit ein ganzes Geflecht aus familiären Spannungen, alten Verletzungen und unterschiedlichen Wahrheiten innerhalb eines eng verflochtenen Umfelds. Besonders gelungen fand ich, wie nach und nach sichtbar…
Matthias Härtels Buch „Die Geschichte eines Fotos“ ist ein eindringliches Stück gelebter DDR-Geschichte. Was mit der scheinbar unspektakulären Szene eines Familienfotos beginnt, entfaltet sich nach und nach zu einem vielschichtigen Panorama von Kindheit, sozialem Aufstieg, Widerstand, Haft und schließlich Ausreise. Der Text ist zugleich Erinnerung, Anklage und eine Liebeserklärung an eine Familie, die sich von keinem System brechen ließ. Ausgangspunkt ist ein Foto aus dem Frühjahr 1984: der letzte Abend in der DDR. Die Eltern, der nichtsahnende kleine Bruder, der Sohn mit einem Kloß im Hals – und eine Zukunft, die buchstäblich an der Türschwelle auseinanderbricht. Von diesem Bild aus…
„In der Kürze liegt die Würze“ – und genau das beweist Heiderose Teynors Roman auf eindrucksvolle Weise. Auf wenigen Seiten entfaltet sich eine Familiengeschichte, die Krieg, Gefangenschaft, DDR-Alltag und den Mauerfall 1989 umspannt: das Schicksal von Toni, Marie und ihrer Tochter Mandy. kompakt erzählt und doch voller Tiefe, Gefühl und innerer Spannung – das hat mich besonders überzeugt. Wir begleiten Toni durch die Härte sibirischer Kriegsgefangenschaft, wo ein paar handbeschriebene Seiten über seine thüringische Heimat zu seinem inneren Rettungsanker werden. 1955 kehrt er nach Jena zu Marie zurück, später wird Tochter Mandy geboren – doch im neuen Staat wird ihre…
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