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Sehnsucht nach Sunny Grove – Kotsoteka - Charles M. Shawin Empfehlung

Mit „Sehnsucht nach Sunny Grove – Kotsoteka“, dem zweiten Band, entwirft Charles M. Shawin eine eindringliche Erzählung über innere Konflikte, Lebensentscheidungen und die fragile Balance zwischen Zugehörigkeit und Aufbruch. Im Zentrum steht Sara, die seit Jahren bei den Kotsoteka-Comanchen lebt und dort als „Nadua“ – die sich wohlfühlt – ihren Platz gefunden hat. Doch ich hatte beim Lesen schnell das Gefühl, dass diese Ruhe trügerisch ist: Alte Bindungen, Einsamkeit und unerfüllte Sehnsüchte holen sie immer wieder ein und stellen ihre gewählte Heimat infrage.

Besonders stark empfand ich den historischen Kontext, der die gesamte Handlung trägt. Während des 18. Jahrhunderts begann die systematische Verdrängung der indigenen Bevölkerung Nordamerikas. Reservate wurden eingerichtet – scheinbar zum Schutz, tatsächlich jedoch zur Landnahme durch weiße Siedler. Die massenhafte Bisonjagd entzog den Plains-Indianern ihre Lebensgrundlage, und ich musste beim Lesen immer wieder innehalten, weil mir die Tragweite dieser Entwicklungen so deutlich vor Augen geführt wurde. Es fiel mir nicht leicht, diese Einschnitte zu akzeptieren – zu existenziell erscheinen die Verluste an Freiheit und Lebensweise, selbst wenn man sie im historischen Zusammenhang betrachtet.

Gleichzeitig habe ich den Roman als eine vielschichtige Geschichte des Erwachsenwerdens und der Selbstfindung erlebt. Für mich stehen dabei auch die zwischenmenschlichen Beziehungen im Mittelpunkt – insbesondere die Freundschaft zweier junger Frauen, die in eine erste tiefgreifende Krise gerät. Ihr Ringen um Vertrauen, Nähe und Eigenständigkeit hat mich besonders berührt, weil es die Zerbrechlichkeit, aber auch die Stärke solcher gewachsener  Verbindungen  zeigt.

Auch die ersten zarten Erfahrungen von Liebe und Bindung im Prozess des Erwachsenwerdens sind fein in die Handlung eingewoben. Sie wirken nicht als klassische Liebesgeschichte, sondern vielmehr als Teil einer inneren Entwicklung, geprägt von Unsicherheiten, Hoffnungen und dem Wunsch, den eigenen Weg zu finden. Begegnungen und erneute Konfrontationen – insbesondere mit zwei Männern aus der Vergangenheit – verleihen der Handlung zusätzliche Spannung. Ich empfand diese Passagen als besonders eindringlich, weil sie zeigen, wie sehr Vergangenes in die Gegenwart hineinwirkt.

Die Figur Emma bringt für mein Empfinden eine eigene Dynamik in den Roman. Ihr Weg – vom Abschied über die Rückkehr bis hin zu einem gereiften Blick auf das Leben – steht für Veränderung und Neubeginn. Ich mochte besonders die Idee, dass mit ihr nicht nur Beziehungen neu geordnet werden, sondern auch ein Ort wie Sunny Grove wieder aufblühen kann. Gleichzeitig schwingt darin die Hoffnung mit, dass sich Wege, die getrennt schienen, doch wieder zusammenfinden.

Beim Lesen hat mich vor allem die stille, fast zurückhaltende Intensität des Romans beeindruckt. Es sind nicht die lauten Ereignisse, sondern die leisen Zwischentöne, die bei mir nachgewirkt haben. Ich hatte immer wieder das Gefühl, zwischen den Zeilen zu lesen und mich den Figuren innerlich anzunähern.

 „Sehnsucht nach Sunny Grove – Kotsoteka“ ist für mich ein Roman, der weniger durch äußere Spannung als durch emotionalen Tiefgang überzeugt. Er wirkt durch seine vielschichtigen Charaktere, durch das sensible Zusammenspiel von Freundschaft und den zwischenmenschlichen Beziehungen im und durch die nachklingende Frage, wo ein Mensch wirklich zuhause ist – im Herzen, in der Erinnerung, an der Seite eines anderen, eines Ortes  oder vielleicht in all dem zugleich. Sehr gern empfehle ich das Buch der Leserschaft weiter - es ist, obwohl fiktiv, ein geschichtlicher Einblick in Geschichte der indigenen Bevölkerung - der Indiander.

Heidelinde Penndorf

(Mai 2026)

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