Ein historischer Kriminalroman, der lange nachhallt
Der Blutmensch zu Köln hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Vor dem eindrucksvollen Panorama des Kölns im Jahr 1847 entfaltet sich ein Kriminalfall, der weit mehr ist als reine Spannung: Er erzählt von Vorurteilen, Macht, Zweifel – und vom zeitlosen Ringen um Wahrheit und Gerechtigkeit.
Der Roman überzeugt durch seine außergewöhnlich dichte Atmosphäre. Der noch unvollendete Dom, die engen Gassen, die sozialen Gegensätze und die Härte des damaligen Rechtssystems werden so lebendig beschrieben, dass man sich mitten in der Stadt wähnt. Besonders stimmig ist dabei der gezielte Einsatz der kölschen Mundart, die in Dialogen immer wieder aufscheint und den Figuren zusätzliche Authentizität verleiht. In den Gerichtsszenen hingegen dominiert bewusst das Hochdeutsche – ein wirkungsvoller Kontrast, der die formale Strenge und Macht der Justiz eindrucksvoll unterstreicht.
Besonders beeindruckt hat mich die Protagonistin Mathilde von Tabouillot. Klug, mutig und zugleich menschlich verletzlich steht sie für all jene, die sich gegen festgefügte Strukturen behaupten müssen. An ihrer Seite agiert ein vielschichtiges Ensemble, das der Geschichte Tiefe und emotionale Kraft verleiht.
Ein Höhepunkt des Romans ist die ausführlich geschilderte Gerichtsverhandlung. Trotz ihres Umfangs bleibt sie durchgehend spannend und zeigt eindringlich, wie schmal der Grat zwischen Wahrheit und Interpretation ist – ein Thema, das erschreckend aktuell wirkt.
Sprachlich ist das Buch hervorragend gestaltet: dicht, atmosphärisch und dennoch sehr gut lesbar. Auch das Cover fügt sich stimmig in das Gesamtbild ein und lädt direkt in die historische Welt Kölns ein.
Ein außergewöhnlich gelungener historischer Kriminalroman mit Herz, Verstand und historischer Tiefe. Uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die Spannung mit Atmosphäre und Relevanz schätzen.
Heidelinde Penndorf
(Januar 2026)
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