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Gleissturz - Dietmar Cuntz Empfehlung

Mit Gleissturz legt Dietmar Cuntz einen Justizthriller vor, der gleichrangig an der Auflösung eines Falls und an den Rissen interessiert ist, die ein Fehlurteil im Leben eines Menschen hinterlässt. Im Zentrum steht Erol Klein: Nach zwei Jahren Haft freigesprochen, juristisch rehabilitiert – und doch gesellschaftlich gezeichnet. Der Roman folgt diesem Nachhall der vermeintlichen Wahrheit mit einer Ernsthaftigkeit, die weit über das Genre hinausweist. Was bleibt, wenn die Akte geschlossen ist, das Misstrauen jedoch fortlebt?

Dabei entfaltet sich die Handlung nicht nur als Kriminalfall, sondern als Studie über Schuldzuschreibung, Stigmatisierung und die fragile Mechanik öffentlicher Wahrnehmung.

Die Ermittlungen der Kommissare Bintje Hoop und Nico Prater führen bald in ein Milieu dubioser Wettgeschäfte, in dem sich die Grenzen zwischen Zufall, Kalkül und gezielter Manipulation zunehmend verwischen. Spätestens als ein Zeuge unter ungeklärten Umständen stirbt, Bintje Opfer eines Angriffs wird und auch Nico ins Fadenkreuz gerät, wird deutlich: Hinter dem ursprünglichen Justizirrtum steht ein Geflecht aus Interessen und Gewalt, das weit über eine fehlerhafte Zeugenaussage hinausreicht.

Cuntz’ knapper, dialoggetragener Stil treibt die Handlung mit nahezu filmischer Präzision voran, ohne dabei die psychischen und sozialen Nachwirkungen dieses Irrtums aus dem Blick zu verlieren. Immer wieder öffnet der Text Räume, in denen sich die eigentliche Tragweite des Geschehenen zeigt: im leisen Misstrauen der Umwelt, in den verschobenen Koordinaten eines Lebens, das sich nicht einfach wieder in seine frühere Ordnung zurückfügen lässt.

Thematische und atmosphärische Bezüge zum Vorgängerroman "Hochhaustanz" verleiht der Erzählung zusätzliche Tiefe und Kontinuität. Zwar bleiben einige Nebenfiguren skizzenhaft und das Finale wirkt in seiner Zuspitzung beinahe abrupt, doch schmälert dies kaum den Gesamteindruck eines Thrillers, der kriminalistische Spannung mit gesellschaftlicher Reflexion verbindet. Gleissturz ist damit nicht nur ein Pageturner, sondern auch eine leise, unbequeme Erinnerung daran, wie brüchig die Grenze zwischen Rechtsprechung und Lebenswirklichkeit sein kann. Dehr gern empfehle ich das Buch weiter, 

Heidelinde Penndorf

(Februar 2026)

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