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warmes Licht - lichte Wärme: Haiku verstehen - Elena Abendroth & Georg Seibt Empfehlung

In einer Zeit voller Lärm und Eile wirkt dieses Buch wie ein leiser Gegenentwurf: Warmes Licht – lichte Wärme schenkt Momente der Stille und erinnert daran, wie viel Weisheit und Schönheit im Einfachen liegen können.

Bereits das Cover, das von Georg Seibt gestaltete Titelfoto und der poetische Titel strahlen eine wohltuende Ruhe aus. Elena Abendroth und Georg Seibt laden ihre Leserschaft zu einer Reise ein, die den Zauber des Augenblicks mit achtsamer Sensibilität verbindet. Dieses Buch ist ein stiller Zufluchtsort für die Seele – ein Ort des Innehaltens inmitten einer oft rastlosen Welt. Im Mittelpunkt steht die traditionsreiche Kunst des Haiku – wohl die kürzeste Gedichtform der Welt. Mit 42 sorgfältig ausgewählten Haiku spannt Elena Abendroth einen eindrucksvollen Lebensbogen und führt durch die verschiedenen Phasen und Gefühlswelten des menschlichen Daseins: vom hellen, unbeschwerten Licht des Anfangs bis hin zur stillen Akzeptanz des Endes.

Dabei knüpft sie spürbar an die Philosophie buddhistischer Achtsamkeit an. Ihr philosophischer und psychologischer Hintergrund klingt in jedem Vers an, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen. Flüchtige Augenblicke des Alltags werden mit großer Präzision eingefangen und verdichten sich zu Bildern, die lange nachwirken. Oft genügt ein einziges Detail, um eine Atmosphäre entstehen zu lassen, die berührt und den Blick für das Wesentliche öffnet.

Besonders gelungen ist der Aufbau des Buches, denn es geht weit über eine reine Gedichtsammlung hinaus. Der Zusatz „Haiku verstehen“ wird hier mit Leben gefüllt. Wie bei einer behutsamen Führung durch eine Kunstgalerie begleiten einfühlsame Erläuterungen und Interpretationen die Lesenden. Sie eröffnen neue Sichtweisen und erschließen weitere Bedeutungsebenen, ohne den Zauber der Verse zu erklären oder ihre Offenheit einzuschränken. Gerade darin liegt die Stärke dieses Buches: Es lädt zum eigenen Entdecken ein. Zugleich zeigt es auf unaufdringliche Weise, wie sich Achtsamkeit, Wärme und Entschleunigung in den Alltag integrieren lassen. Nicht belehrend, sondern inspirierend erinnert es daran, dass das Wesentliche oft im Unscheinbaren verborgen liegt.

Warmes Licht – lichte Wärme ist ein zutiefst gehaltvolles und wohltuendes Buch. Es zelebriert die Kunst des Weglassens und macht gerade dadurch sichtbar, wie viel Kraft in wenigen Worten liegen kann. In einer Zeit, in der vieles laut, schnell und flüchtig geworden ist, wirkt dieses Buch wie ein warmes Licht, das lange in der Seele nachleuchtet.

Gern empfehle ich diesen wundervollen Lyrikband weiter. Er ist ein echtes Herzensbuch – eines, das man immer wieder zur Hand nehmen möchte, um innezuhalten, durchzuatmen und sich daran erinnern zu lassen, dass manchmal drei Zeilen genügen, um eine ganze Welt zu eröffnen.

Heidelinde Penndorf

(August 2026)

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